{"id":988,"date":"2014-05-02T14:32:05","date_gmt":"2014-05-02T12:32:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.phantasiewerkstatt-bogen.de\/?p=988"},"modified":"2026-03-30T15:56:36","modified_gmt":"2026-03-30T13:56:36","slug":"braunfein","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.phantasiewerkstatt-bogen.de\/?p=988","title":{"rendered":"&#8222;PHOBISMUS&#8220;  Lutz Braun &#038; Isabelle Fein"},"content":{"rendered":"<h1><span style=\"color: #ff0000;\">&#8222;PHOBISMUS&#8220;<\/span><\/h1>\n<p>Indem Isabelle Fein dem Pathos mit Ironie begegnet w\u00e4hrend sie einer allt\u00e4glichen Leichtigkeit und Freude bedingungslos verschrieben ist, gelingt es ihr zu zeigen wie kostbar das Leben ist.<br \/>\nW\u00e4hrenddessen beschw\u00f6rt Lutz Braun Stimmungen und Szenearien von Finsternis und Untergang, denen er durch kontrastierende Farbgebungen eine sehnsuchts- oder&nbsp; hoffnungsvolle Wendung gibt. Beiden ist also ein existenzieller Aspekt in ihrer Arbeit gemeinsam.<\/p>\n<p>Vernissage findet am 30.05.2014 um 19:00 statt.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>zu lutz braun:<\/strong><\/span><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-995\" alt=\"Lutz-Braun \" src=\"http:\/\/www.phantasiewerkstatt-bogen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Lutz-Braun-0141-900x647-300x215.jpg\" width=\"300\" height=\"215\" srcset=\"http:\/\/www.phantasiewerkstatt-bogen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Lutz-Braun-0141-900x647-300x215.jpg 300w, http:\/\/www.phantasiewerkstatt-bogen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Lutz-Braun-0141-900x647-785x564.jpg 785w, http:\/\/www.phantasiewerkstatt-bogen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Lutz-Braun-0141-900x647-210x150.jpg 210w, http:\/\/www.phantasiewerkstatt-bogen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Lutz-Braun-0141-900x647.jpg 900w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p><small>Text : Felicitas Kirgis<br \/>\n<small><\/small><\/small><\/p>\n<p><small><small>Die Arbeiten von Lutz Braun, der in Berlin lebt, zeigen ruin\u00f6se, [alb-]traumhafte Landschaften, vereinzelt mit Menschen, die schattenhaft darin auftauchen. Jegliches von einer st\u00e4dtischen Szenerie ausgehende Idyll ist eliminiert. Einsamkeit und Verg\u00e4nglichkeit herrschen vor \u2013 eine Art von Endzeitlichkeit. Und dennoch ist der Raum von einer Atmosph\u00e4re erf\u00fcllt, die seltsam einladend auf den Betrachter wirkt. Eine bizarre, humorvolle Seite schwingt mit.<\/small><\/small><\/p>\n<div><small><small><br \/>\nDer oben beschriebene thematische Aspekt sowie wie die spezifische erz\u00e4hlerische Form sind in Lutz Brauns Malereien und Zeichnungen sehr bedeutsam. Beide Gesichtspunkte werden an Hand der Pers\u00f6nlichkeit des K\u00fcnstlers&nbsp; wie auch historisch beleuchtet, um ihrer Vielschichtigkeit n\u00e4her zu kommen.<\/small><\/small>In der Malerei V\u00e4gen zum Beispiel wandert eine Figur entlang eines sterbenden Waldes mit B\u00e4umen ohne Gr\u00fcn. Kahl und nackt weisen die \u00c4ste wie Arme seitw\u00e4rts (Abb. S. 2) \u2013 ein Motiv, das sich in den \u00fcberl\u00e4ngten Gliedma\u00dfen der Figur wiederholt und ihre K\u00f6rperlichkeit vor der kargen Landschaft grotesk wirken l\u00e4sst. Leere und Stille herrschen vor und befremden.<br \/>\nAllgemein g\u00fcltiges Wissen und die Alltagserfahrung des Betrachters werden so raffiniert kolportiert: Eine bewaldete Landschaft wird bedrohlich, ein Mensch zum Schatten seiner selbst. Doch woher kommt nur dieser Funke des Humorvollen, der gleichsam f\u00fcr die \u201eHoffnung\u201c steht?Vor allem die Farbigkeit ist es, die diese Ambivalenz der Darstellung bestimmt und die Verbindung des K\u00fcnstlers zu seinem ehemaligen Lehrer Per Kirkeby aufzeigt. W\u00e4hrend der gr\u00f6\u00dfere Teil der Arbeit Ton in Ton changierend eine ged\u00e4mpfte Stimmung suggeriert, h\u00e4lt der wolkenlose Himmel in leuchtendem Blau dagegen.<br \/>\nZur Farbigkeit sagt der K\u00fcnstler, dass sie als Tr\u00e4ger von Stimmungen sein wichtigstes Werkzeug ist. \u201eAus ihr und in sie flie\u00dft meine gesamte Inspiration, und daher m\u00f6chte ich im Grunde alle meine Absichten, Ideen und Theorien von ihr fernhalten.\u201c 1<br \/>\nWidmen wir uns also weiter der Form und dem Inhalt \u2013 als Tr\u00e4ger jener besonderen Braunschen Atmosph\u00e4re der Skurrilit\u00e4t mittels Ambivalenz. Instrumente dazu sind Gegens\u00e4tze und radikales Kontrastieren einerseits, das Dargestellte zu \u00fcbertreiben und bis zur \u00dcberspitzung zu steigern andererseits.Die Theorie des Autors Michail Bachtin in seiner Schrift Literatur und Karneval2 beschreibt jenen Stimmungsaufbau, wenn auch mit ganz anderen Beispielen, dennoch zutreffend. K\u00f6rperlichkeit und k\u00f6rperbezogene Vorg\u00e4nge \u2013 wie Nahrungsaufnahme oder -ausscheidungen, Begattung, K\u00f6rperwuchs, Altern, Krankheit, Tod ect.3&nbsp; \u2013 eignen sich in besonderem Ma\u00dfe f\u00fcr bizarre Darstellungen. Und kommt hier der Prozess des \u00dcberschreitens und der \u00dcberspitzung hinzu, ist das an sich bereits grotesk. Gr\u00f6\u00dfenverschiebung, Metamorphose, Durchdringung und fruchtbares \u00dcberwuchern sind nur einige der Begriffe, die einem beim Betrachten von Lutz Brauns Arbeiten in den Sinn kommen. Als \u00fcbergeordneter Begriff k\u00f6nnte jedoch Wandlung gelten.<br \/>\nDie Grenzen eines abstrakt verstandenen K\u00f6rpers sind aufgehoben und damit ist \u201edas Groteske (&#8230;) auch niemals fertig, es ist ein Werdendes, im steten Aufbau und Erschaffen begriffen mit autonomem Eigenleben.\u201c 4So ist auch der Tod in seinen vielf\u00e4ltigen Erscheinungsformen allgegenw\u00e4rtig. Die Landschaften sind nicht mehr nur marode, Figuren haben Totensch\u00e4deln \u00e4hnelnde Z\u00fcge anstelle von individuellen Physiognomien. Verwesende, schemenhafte Gestalten und Tiere tauchen auf, Stadtszenerien wirken heruntergekommen und verlassen.<br \/>\nDabei w\u00e4re es ein Leichtes, die offensichtliche Affinit\u00e4t des K\u00fcnstlers zum Tod ausschlie\u00dflich negativ zu konnotieren. Geht es aber nicht um eine weitaus vielschichtigere Erz\u00e4hlung als nur um die vom Ende? Existiert da nicht auch eine [Vor-]Geschichte?<br \/>\nAllen Arbeiten von Lutz Braun ist ein erz\u00e4hlerischer, b\u00fchnenhafter Charakter zu eigen. Seine Szenerien wirken wie Filmstills. Neben Ankl\u00e4ngen zu Szenarien des Horrorfilms gibt es auch solche zur Tradition des Comicstrips. Eine Momentaufnahme fungiert dabei als repr\u00e4sentativer Ausschnitt aus einer \u00fcbergeordneten Handlung. In diesem Sinne reiht sich der K\u00fcnstler, kunsthistorisch gesehen, auch in eine Tradition ein, die unter anderen William Hogarth zu ihren Vertretern z\u00e4hlt.\u201eEine Geschichte wird erz\u00e4hlt\u201c \u2013 genau deshalb arbeitet Lutz Braun auch h\u00e4ufig mit Fundst\u00fccken. Alte Holzplanken und ausrangierte Teppiche dienen als Malgr\u00fcnde, neben dem klassischen Medium der Leinwand. Dabei geht es jedoch nicht um den Gedanken des Recycelns, sondern darum, mit Vorhandenem zurechtzukommen, die jeweilige Geschichte eines Gegenstandes zu verstehen und k\u00fcnstlerisch nutzbar zu machen, mit der eigenen Inspiration untrennbar zu verschmelzen.Vergangenheit spielt eine Rolle \u2013 als Ereignis oder atmosph\u00e4risch als Erinnerung \u2013 und verbindet sich mit Gegenwart und Zukunft, gleichwertig im Verh\u00e4ltnis zueinander. Lutz Braun strebt danach, die Zeit in seinen Werken aufzuheben, sie als Gleichzeitigkeit aufzufassen und wiederzugeben. Dies ist \u00fcbrigens auch der Grund daf\u00fcr, dass er seine Werke nicht datiert. Er m\u00f6chte sie von \u00fcberkommenen kulturellen Fesseln befreien, sodass sie sich ihre Verbindlichkeitendurch ihr \u2018in- der-Welt-sein\u2018 aneignen k\u00f6nnen.Sieht der Betrachter also etwas Reales oder einen Traum, ein Hirngespinst, gar eine Utopie? All das ist m\u00f6glich, vom einzelnen Aspekt des Wirklichen bis hin zur Mischung ohne Grenzen \u2013 im Streben des K\u00fcnstlers, die Allgegenwart der Endlichkeit zu unterminieren, au\u00dfer Kraft zu setzen.<\/p>\n<p>In den Werken von Lutz Braun soll die existenzielle Angst\u201a \u2018Die Krankheit zum Tode\u20186 durch Verwandlung \u00fcberwunden werden. M\u00f6ge der Betrachter so zu einer inneren Freiheit der Gedanken kommen, da der Untergang des Alten die M\u00f6glichkeit zum Neuen in sich birgt.<\/p>\n<\/div>\n<div><small>1.) Lutz Braun im vorliegenden Katalog, S. 3.<br \/>\n2.) Bachtin, Michail: Literatur und Karneval. Zur Romantheorie und Lachtheorie. [\u00dcbers. von Angela Hauserner]. Frankfurt a.M. 1985.<br \/>\n3.) Vgl. Ebd., S. 17.<br \/>\n4.) Ebd., S. 16.<br \/>\n5.) In der Darstellung des Grotesken geht es um eine positive und innere Freiheit der Gedanken, vgl. Bachtin 1985, S. 28.<br \/>\n6.) Kierkegaard, Soren: Die Krankheit zum Tode, Rowohlt, M\u00fcnchen 1969.<\/small><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>zu isabelle fein:<\/strong><\/span><\/div>\n<div><\/div>\n<div>zeigt arbeiten auf leinwand, keramiken, und graphik<\/div>\n<div><\/div>\n<div>http:\/\/www.isabellefein.com\/<\/div>\n<div>http:\/\/www.parisakind.com\/isabelle-fein.html<\/div>\n<div><\/div>\n<div><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-994 alignleft\" alt=\"Untitled-Kutsche-kl isabelle fein\" src=\"http:\/\/www.phantasiewerkstatt-bogen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Untitled-Kutsche-kl-isabelle-fein-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/www.phantasiewerkstatt-bogen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Untitled-Kutsche-kl-isabelle-fein-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.phantasiewerkstatt-bogen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Untitled-Kutsche-kl-isabelle-fein-210x157.jpg 210w, http:\/\/www.phantasiewerkstatt-bogen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Untitled-Kutsche-kl-isabelle-fein.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;PHOBISMUS&#8220; Indem Isabelle Fein dem Pathos mit Ironie begegnet w\u00e4hrend sie einer allt\u00e4glichen Leichtigkeit und Freude bedingungslos verschrieben ist, gelingt es ihr zu zeigen wie kostbar das Leben ist. 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